Johann Paul d.Ä.
Ritter

Kupferstecher, Architekturmaler, Radierer

geb. Nürnberg, 04. Mrz 1829

gest. Nürnberg, 27. Nov 1907

Sohn des Johann Jakob, Kammmacher; Enkel des Christoph Wilhelm, Rotschmied; Bruder des Lorenz, Maler. Unverheiratet. In seinem vierten Lebensjahr verlor er infolge einer Scharlacherkrankung das Gehör und dadurch mit der Zeit auch die Sprache. Nach dem Besuch der Taubstummenschule war er neun Jahre Schüler bei Karl Alexander Heideloff an der polytechnischen Schule Nürnberg. In den 1850er Jahren arbeitete er mit seinem Bruder Lorenz zeitweise in Berlin und Stuttgart als Zeichner und Radierer. Nach der Rückkehr nach Nürnberg gründeten die beiden Brüder eine Kupferstecher-Schule, in der auch Auftragsarbeiten für auswärtige Verlage ausgeführt wurden. In den 1870er Jahren Studienreisen nach Dänemark, Frankreich, Italien, Österreich und nach Prag. In dieser Zeit wandte er sich auch verstärkt der Malerei zu. Paul Ritter war zweifellos der Grandseigneur der Nürnberger Architekturmalerei in der 2. H. des 19. Jh. Er verfügte über profunde historische Kenntnisse sowohl der Stadtgeschichte als auch der Kostümkunde. Dies waren die Grundlagen seiner häufigen historischen Darstellungen aus der Stadtgeschichte. Sein Hauptwerk und wohl bekanntestes Gemälde ist die „Einbringung der Reichskleinodien am 22.3.1424 in Nürnberg“. Das 3,55 x 3,77 m große Gemälde wurde zum Geburtstag von Kaiser Wilhelm I. am 22.3.1883 feierlich im Treppenhaus des Nürnberger Rathauses enthüllt. Der Vertrag zwischen der Stadt und dem Maler wurde am 23.3.1881 mit einem Honorar über 9000 Mark geschlossen. Das Werk befindet sich heute als Leihgabe in der IHK. Daneben entstanden weitere Gemälde zu historischen Ereignissen, wie die Ehrenpforte für Kaiser Matthias 1612, die Nürnberger Schau zur Zeit des Einzugs Gustav Adolfs in Nürnberg, der Rathaushof während des Friedensmahles 1649, ein Ritterturnier auf dem Hauptmarkt oder eine Patrizierhochzeit in der Lorenzkirche in der Tracht des 17. Jh. Eine unvollendete Arbeit in Privatbesitz zeigt, dass er für seine Ölgemälde akribisch genaue Vorzeichnungen auf der Leinwand anlegte. Daneben entstanden auch zeitgenössische Architekturansichten. Paul Ritter malte vorwiegend in Öl, gelegentlich auch in Aquarell. Für seine Arbeiten erzielte er bereits zu Lebzeiten außerordentlich hohe Preise, die „Ehrenpforte“ verkaufte er für 6000 Goldmark, ein Ölgemälde „Hof der Alten Reichspost“ verkaufte er kurz vor seinem Tod am 24.7.1907 um 1200 Goldmark. 1885-89 Lehrauftrag an der Nürnberger Kunstgewerbeschule, 1888 Ernennung zum kgl. Professor. Aufgrund seiner geschichtlichen Kenntnisse war er auch ein geschätzter Entwerfer für historische Zinnfigurenserien für Ernst und Wilhelm Heinrichsen. Eines seiner letzten Gemälde war das Altarbild für die Kapelle der Kreis-Taubstummenanstalt, zu der er über Jahrzehnte enge Beziehungen unterhielt. Aufgrund seiner Behinderung lebte er meist mit der Familie seines Bruders Lorenz zusammen. Ehrenmitglied im Künstlerverein, Mitglied der Künstlerklause. (...)

zitiert aus dem Nürnberger Künstlerlexikon, Herausgegeben von Manfred Grieb

Stil: Spätromantik

Zeit: 20. Jh., 19. Jh.